
Zinsen und Aktien
Der Grundsätzliche Zusammenhang zwischen Zinsen und Aktien ist klar: wenn die Zinsen steigen, fallen die Bewertungen von Kapitalanlagen, weil die zukünftigen Erträge mit höheren Zinssätzen abdiskontiert werden.
Die von über 11% auf rund 7% fallenden Zinsen zwischen 1985 und 1987 gingen mit steigenden Aktienkursen einher. Gleiches war zwischen 1989 und 1991 zu beobachten.
Ein selteneres Phänomen prägte das Jahr 1987. Die seit Jahresanfang 1987 stark steigenden Anleihezinsen führten nicht sofort zu einem Rückgang der Aktienkurse. Erst eine zweite Anstiegswelle der Zinsen im dritten Quartal änderte dies und der Aktienmarkt korrigierte seine Entwicklung in kurzer Zeit durch den Kurssturz im Oktober 1987.
Warum ist das heute relevant?
Weil die aktuelle Entwicklung durchaus Ähnlichkeiten aufweist. Die Zinsen steigen weltweit, aber die Aktienmärkte sind noch in der Phase des Ignorierens dieser Entwicklung. 1987 war der magische Zinssatz, der zu einer massiven Veränderung führte 10%. Vielleicht sind es heute 5% bei 10-jährigen US-Staatsanleihen. Genau kann das niemand sagen, aber das Setup ist kritisch. Letztmalig war eine ähnliche Situation 2018 zu beobachten. Damals kam es zu einem Wiederanstieg der Aktienmärkte, weil die FED im Dezember 2018 «zwischen den Jahren» eine 180-Grad-Zinswende durchführte, die vom Aktienmarkt mit wieder steigenden Kursen goutiert wurde. Dies gelang allerdings in einem Umfeld, in dem Inflation kein besonderes Thema war. Ein großer Unterschied zur Situation heute.

Der Kurssturz 1987 darf nicht davon ablenken, dass die wichtigere Entwicklung zwischen 1985 und 1991 darin bestand, dass die Aktienmärkte per Saldo deutlich gestiegen sind. Der S&P 500 hat sich in dieser Phase mehr als verdoppelt. Dies hatte sicher viele Gründe, aber ein wichtiger Aspekt bestand darin, das in dieser Phase eine außergewöhnliche Häufung technologischer Innovationen die Wirtschaft in den USA und weltweit dynamisch entwickelt hat.
Eine Parallele zur Situation heute, die durchaus insoweit zu Optimismus Anlass gibt, dass ähnliches wieder gelingen kann, wenn die unausweichlichen Korrekturen der maßlosen Übertreibungen des zinslosen Schlaraffenlands abgebaut sind. Ob dafür eine Oktoberkorrektur ausreicht, wie sie 1987 stattfand, darf allerdings bezweifelt werden. Der Umfang der Übertreibungen ist ein Vielfaches und die Höhe der Verschuldung ebenso.

Es möge uns erspart bleiben, dass sich die Situation der 30er Jahre wiederholt. In dieser Phase gab es einen Gleichlauf von Zinsen und Aktien: nach unten. Die US-Wirtschaft war seit dem Crash 1929 über mehr als zehn Jahre in schlechter Verfassung. Eine richtige Erholung trat erst nach dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg ein. Dies lag wohl auch daran, dass in den 30ern des letzten Jahrhunderts schon einige Innovationen zu finden sind, aber nichts, was mit den Entwicklungen in den 80ern und heute vergleichbar wäre.