Bergamo – Aufruf zum „Corona-Fasten“|Lageeinschätzung

Medizinischer Dienst am Flughafen Bergamo-Milano

Ich rede nicht von Panik.
Seien Sie cool.
Das war noch nie so wichtig wie H E U T E.

Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Weitermachen – aber mit offenen Augen!
Panikkäufe sind aus meiner Sicht Quatsch. Wenn irgendetwas offen bleibt, dann Supermärkte und Apotheken.

Bei dem, was wir gerade erleben, stellen sich drei Fragen:

1.
Was ist heute zu tun
?

Bergamo ist ein Fanal.
Wenn Sie den Text von Dr. Macchini gelesen haben, wissen Sie, dass es weder um eine normale Grippe geht, noch um Geld.
Heute geht es nur um die Frage, wie Sie dazu beitragen können, dass die Menschen, die am gefährdetsten sind, eine Überlebenschance haben: Lungenkranke, Raucher und generell alle Älteren und Schwachen.

Hier meine WhatsApp-Notiz zu dem, was ich mit meinen Eltern eben besprochen habe.

Das Problem ist einfach, dass der Virus direkt die Lungen angreift und ein relativ hoher Teil der Infizierten deshalb stationär behandelt werden muss (Beatmung und Ähnliches). Die Knappheit der Intensivbetten ist das Problem. Deshalb werden im Moment alle Operationen, die verschoben werden können, verschoben.

2.
Was passiert an den Märkten
?

Die Märkte preisen ein, dass die Politik so reagiert, wie es Trump, Merkel und Lagarde bereits gemacht haben: „Am Rande der Unfähigkeit, das Problem richtig zu benennen und adäquat zu handeln.“

Dass die EU- und Deutschland-Institutionen noch zum Problem werden, sage und schreibe ich ja nicht erst seit heute, aber jetzt kann es jeder sehen – und wir zahlen dafür alle noch die Zeche.

Das Thema Corona ist ja wirklich nicht neu. Aber andere sind einfach cooler und besser. Zum Beispiel Taiwan: Die kleine Insel wird ja von China als abtrünnige Provinz eingestuft, deshalb von einem Großteil der Welt, der lieber mit China Geschäfte macht, geschnitten und von der WHO skandalös bei Corona behandelt. Was dort zu lesen war, habe ich schon vor einem Monat in meinen WhatsApp-Notizen und auf LinkedIn geteilt.

It is widely known that official statistics coming out of Communist China can be trusted about as much as a student admitting how many units of alcohol they drink a week.“ (David Spencer, Taiwan News, 7.2.2020)

Aber viele Qualitätsmedien und die Administrationen zahlreicher Länder nehmen das alles für bare Münze und fokussieren sich darauf zu berichten, was China alles richtig gemacht habe und vergessen darüber, dass es bei uns in Europa gerade losgeht.

Was haben die Taiwanesen gemacht? Sie haben in Wuhan nachgeschaut, die Krematorien gezählt und hochgerechnet, wieviele Tote es wirklich sein könnten (surfen Sie auf der Seite von Taiwannews, dort steht einiges Spaßfreie dazu).
Aber: Sie haben auch ihr Land zugesperrt, noch bevor wir überhaupt mitbekommen haben, was da in China wirklich läuft.

Die unrühmliche Rolle des WHO-Chefs in diesem Zusammenhang ist wieder mal ein bestes Beispiel für die ernüchternden Abläufe innerhalb der UN und die Unfähigkeit der Regierungen, dies bei der Lagebeurteilung richtig zu berücksichtigen.

3.
Aktien kaufen oder verkaufen?

Dass die Märkte so schnell wie bei den letzten kritischen Marktsituationen wieder Tritt fassen, kann natürlich sein. Wir waren bisher immer negativ und in der Rückschau auch zu lange zu negativ.

Buy the dip könnte aber auch schiefgehen. Trump wirkt angeschlagen, Lagarde überfordert. Draghi ist weg, Powell ist wahrscheinlich besser als sein Ruf, aber Trump war erfolgreich darin, seine Reputation zu torpedieren. All das rächt sich, wenn Vertrauen gefragt ist. Und das ist gerade jetzt der Fall.

Sollte die Fed beispielsweise anfangen, wieder einmal etwas zu tun, was sie eigentlich nicht darf (Standard in jeder großen Krise) und zum Beispiel Aktien kaufen wie Chinesen, Japaner und die Schweizer Notenbank seit Langem, dann kann es schon sein, dass die Börsen wieder deutlich steigen.

Sollte sie sich dann auch noch darauf konzentrieren, die am meisten geshorteten Aktien zu kaufen (z. B. Kreuzfahrer und Fluggesellschaften vor der Pleite), dann wird die Börse sicher erstmal nicht weiter fallen und gestern könnten bereits die besten Einstiegskurse für lange Zeit geschrieben worden sein. Könnten.

Das alles bringt aber nur etwas, wenn es den Regierenden gelingt, die Länder am Laufen zu halten. Selbst-Quarantäne für Ältere ist das eine. Die Lösung der Probleme der kleinen und mittleren Betriebe und der vielen Selbständigen ist das andere. Wenn nicht schnell und entschlossen agiert wird, bahnt sich da ein Desaster mit weitgehenden, nur schwer reparablen Folgen an. Das Hin und Her beim Thema Schulschließung gestern in Berlin gibt bereits einen Vorgeschmack auf die Handlungsfähigkeit der Administration in Deutschland. Eine Schande.

Die kommende Berichtssaison wird Corona zum Thema haben, die Ad-hoc-Mitteilungen der börsennotierten Unternehmen sind ja bereits in der Zahl von Hunderten veröffentlicht. Aber die längerfristigen Auswirkungen sind noch nicht klar. Und dass die nur gut sein werden, daran kann ich Stand heute nicht recht glauben. Deshalb wahrscheinlich kurzfristig Chancen an den Börsen, mittelfristig aber Holperstrecke und neue Tiefs.

Beitragsbild: Bergamo, Italien, 22. Februar 2020: Medizinischer Dienst am Flughafen Bergamo-Milano untersucht Flugzeugpassagiere, die in Italien angekommen sind, um das Risiko der Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie zu minimieren. Foto: Grabowski Foto/Shutterstock


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Georg Oehm

Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten. Mellinckrodt & Cie hat als Family Office seit 2008 zwei Aktien-Fonds in Luxemburg initiiert. Das hierbei gewonnene Know-how in den Bereichen Geschäftsentwicklung, Portfoliomanagement, Vertrieb und Kommunikation ist die Basis für den derzeit stattfindenden Aufbau weiterer Geschäftsaktivitäten rund um das Thema Kapitalanlage mit Bezug zur Schweiz.

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