Vampir und Gier – die Börse in den Fängen der FANG-Aktien – aber jetzt zählen Fundamentals!

I. FANG

Das englische Wort für Vampirzähne ist auch die Kurzbezeichnung der im ersten Halbjahr 2018 beliebtesten US-Aktien. F(acebook)A(mazon)N(etflix)G(oogle).


Quelle: shutterstock, leo.org

Die Kursentwicklung im ersten Halbjahr war phänomenal.

Ein Kursanstieg von 50 % in sechs Monaten – das gibt es nicht alle Tage. Dass die Fang-Aktien über 95 % des gesamten Kursgewinns im S&P 500 Index ausmachten, zählt auch zu den Anomalien des ersten Halbjahres 2018.

II. Jetzt zählen Fundamentals

Die Berichtssaison hat begonnen und plötzlich treten reale Fakten in den Vorder- und Politgeräusche in den Hintergrund. Zu den realen Fakten zählt, dass die Bäume bei Facebook nicht in den Himmel gewachsen sind. Die Regulierung der Social-Media-Plattform scheint sich nach Erwartung des Managements deutlich stärker dämpfend auf das zukünftige Geschäft auszuwirken, als die Investoren dies erwartet hatten.

Die nähere Zukunft wird auch nicht rosiger, wenn man erfährt, dass zum Beispiel britische Parlamentarier fordern, die Kosten der Regulierung der Social-Media-Anbieter diesen in Rechnung zu stellen. Als Vorbild nennen die Parlamentarier die Finanzbranche. Das ist sicher nicht gerade der Stoff, aus dem die Träume von Social-Media-Investoren gewebt werden. Tough times ahead.

Die Korrektur der ersten Woche der Sommer-Berichtssaison beschränkt sich nicht auf Facebook allein. Auch der FANG-Wert Netflix sowie die ebenfalls sehr beliebten Aktien von Twitter und Intel bekamen den Unmut der Investoren zu spüren, weil die Kurse den Fundamentaldaten viel zu weit vorausgeeilt waren.

III. Favoritenwechsel

Der starke Fokus der Investoren auf FANG katapultierte diese Aktien nach oben und die meisten anderen ins Abseits. Spannend war und bleibt natürlich die Frage, ob es den Börsen gelingt, den Stab des weiteren Kursanstiegs von den FANG-Aktien an andere Sektoren weiterzugeben, oder ob die FANG-Korrektur direkt in einen Börsencrash mündet.

Derzeit sieht es nach einem Favoritenwechsel aus.

Techtitel des Bereichs „ValueTech“ scheinen den Staffelstab zu übernehmen.  Unser Portfoliowert Lam Research war schon nach dem Brexit der Frühindikator für die weitere Börsenentwicklung – und es sieht so aus, dass sich dies wiederholt.

Lam Research berichtete vergangene Woche über das abgelaufene Quartal und übertraf die Erwartungen des Marktes. Im Ausblick wurde angekündigt, dass das Management davon ausgeht, dass im dritten Quartal 2018 der kurzfristige Tiefpunkt im seit Jahren laufenden Investitionszyklus erwartet wird. Danach sollen die Umsätze wieder stärker steigen. Angesichts der tiefen Bewertungen rosige Aussichten. Gleiches gilt für unsere Depotwerte Applied Materials und Teradyne.

Neue Lebenszeichen kamen allerdings nicht nur aus dem Techbereich. Auch zahlreiche unserer Aktien aus den Themenfeldern Materials (z.B. Teck) & Energie (z.B. Tullow Oil) sowie Konsum (z.B. Elis) konnten mit Ergebnisüberraschungen und nachfolgenden Kursanstiegen von 5 bis 12 % aufwarten.

IV. Ausblick

Wünschen wir uns, dass die Ergebnisüberraschungen sich im weiteren Verlauf der Berichtssaison fortsetzen. Damit könnte dann der Grundstein für eine positive Börsenentwicklung im zweiten Halbjahr gelegt sein.

Dass Trump im großen Stil dazwischenfunken wird, erwarten wir nicht mehr – die „midterm elections“ Anfang November werfen bereits deutlich ihre Schatten voraus. Juncker konnte dies bereits für Europa nutzen und auch EZB-Super Mario stellte sich einer positiven Börsenentwicklung am Folgetag nicht in den Weg. Neben der positiv angelaufenen Berichtssaison sind dies die weiteren Gründe dafür, dass wir die während des bisherigen Sommers abwartende Positionierung des Fonds vollständig zu Gunsten eines Ausbaus unserer Aktienposition ohne Absicherung aufgegeben haben. Einer vollständigen Partizipation an einer positiven Aktienmarktentwicklung in den nächsten Monaten steht damit von unserer Seite her nichts im Wege. Dass der Weg nicht ohne Rückschläge verlaufen wird, ist auch klar, aber per Saldo erwarten wir jetzt steigende Aktienkurse bis zum Jahresende. Die sehr verbreitete große Skepsis vieler Investoren wird hierzu beitragen und es kann gut sein, dass es zu einer Rally kommt, die dadurch angeheizt wird, dass viele jetzt noch skeptische  Investoren Angst bekommen, nicht in ausreichendem Maße dabei zu sein.


Georg Oehm

Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten.Seit 2008 bei Mellinckrodt aktiv ist er heute Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg, die mit Mellinckrodt German Opportunities einen UCITS-Fonds anbietet, der einen Private Equity-Ansatz nutzt, um Anleger vor den Fallstricken der Behavioural Finance zu schützen.

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