Was tun, wenn die Börsenampel auf Gelb springt?

Der Wahlgang in Italien steht an und die Märkte sind im Vorfeld wenig beunruhigt. Kein Vergleich zur Stimmung rund um den Brexit oder die Präsidentschaftswahlen in den USA und Frankreich. Umso mehr erstaunt dann doch, dass Ray Dalio, der Fondsmanager des weltgrößten Hedgefonds, aufgrund riesiger Shortpositionen auf europäische Aktien in den Fokus der Medien geraten ist. Die Wirtschaft läuft doch weltweit und alles scheint bestens zu sein.

Trotzdem ist in unserem Risikosystem zu Beginn des Monats die Börsenampel auf Gelb gesprungen.

Was bedeutet das für Ihre Aktienanlage?
Aus unserer Sicht sind drei Aspekte erwähnenswert:

I. Fahren über gelbe Ampeln ist weniger entspannt als grüne Welle

Beim Fahren in Kolonnen hat es das letzte Auto meist am schwersten. Während die ersten Wagen noch entspannt bei Grün die Kreuzung überqueren, haben die am Ende der Kolonne das Problem, nicht den Anschluss zu verpassen. Gelb, Dunkelgelb oder Rot sind die Ampelfarben, die dann dominieren. Dementsprechend fühlt die Fahrt sich hektischer an und das kann auch dazu führen, dass empfindlichen Mitfahrern dabei sehr schnell übel wird.

II. Warum ist die Ampel auf Gelb umgesprungen?

Die Börsenturbulenz Anfang Februar ist schon fast wieder vergessen. Alle reden entweder nur noch davon, wie lange es dauert, bis der Wiederanstieg dazu geführt hat, dass die Charts ein perfektes V ausbilden (Kurse genauso schnell wieder rauf, wie vorher runter). Oder es wird darüber fabuliert, warum es dazu kommen wird, dass die Tiefststände des Februars nochmals getestet werden.

Wichtiger ist:
Diese Marktbewegung hat viele Trends aus dem Gleichgewicht gebracht. Nennen Sie es Chartmarken, gleitende Durchschnitte oder relative Stärke. Gerade die langfristigen Indikatoren in unserem Risikosystem sind ziemlich durcheinander und es wird dauern, bis sich der Nebel gelichtet hat und es aus diesem Bereich wieder klare Signale gibt.

Die Marktteilnehmer sind derzeit damit beschäftigt,
sich eine Meinung zu bilden, wo die Reise hingeht:

  • Was bedeuten steigende Zinsen in einem Umfeld mit weniger Zentralbankkäufen von Wertpapieren?
  • Heizen die Saudis zusammen mit den Russen die Inflation an, damit ihre Öleinnahmen stimmen?
  • Werden durch die demografische Entwicklung Arbeitskräfte so knapp, dass wir zum ersten Mal seit langem weltweit wieder eine Phase stark steigender Einkommen bekommen werden?

All diese Fragen kann ich Ihnen Stand heute leider auch nicht beantworten, aber eins ist trotzdem klar:
Gelb an der Börse bedeutet, dass das langfristige Kapital prüft, wie es sich für die Zukunft positioniert. Und wenn sich das langfristige Kapital aus bestimmten Märkten zurückzieht, dann sind dort die ruhigen Zeiten vorbei. Passen Sie auf, dass Sie derartige Änderungen nicht erst dann bemerken, wenn es an der Ampel blitzt.

Neue Techniken haben gerade auch deshalb unangenehme Seiten, weil Gewohntes unerwartet anders funktioniert. Nehmen Sie nur die Blitzsäulen, die es immer häufiger an den Straßen gibt und die gar nicht mehr sichtbar blitzen. Sie bekommen nur hinterher ein Briefchen und die Rechnung, wenn Sie nicht aufmerksam genug waren, um das Tempolimit einzuhalten.

An der Börse produziert die moderne Technik Resultate, die für Sie im Ergebnis aussehen wie ein Strafzettel. Sie schauen ins Depot und sehen: da habe ich wohl die rote Ampel übersehen. Viele Handlungsoptionen verbleiben dann allerdings nicht mehr.

III. Was wir bei Gelb empfehlen

Reduzieren Sie das Tempo und suchen Sie sich Produkte und Strategien mit eingebautem Risikomanagement. Sie müssen ja nicht alles selber machen. Die Qualität guter Chauffeure besteht darin, dass die Mitfahrer gerade bei kurvenreicher Strecke eine angenehme Fahrt haben und das Fahrzeug nicht im Straßengraben landet.

Nicht von der Piste abkommen – darauf kommt es an! © Shutterstock / David Acosta Allely

Georg Oehm

Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten. Seit 2008 bei Mellinckrodt aktiv ist er heute Verwaltungsrat der Mellinckrodt 2 SICAV in Luxemburg, die mit Mellinckrodt German Opportunities einen UCITS-Fonds anbietet, der einen Private Equity-Ansatz nutzt, um Anleger vor den Fallstricken der Behavioural Finance zu schützen.

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