Drei Aspekte von Donald Trump, die Sie kennen sollten

Donald Trump füllt die Gazetten, erschüttert das Establishment und versetzt die Gutmenschen aller Länder in Angst und Schrecken. Folgende drei Aspekte sollten Sie bei der Beurteilung der Situation nicht außer Acht lassen:

1.
Schumpeter
Der österreichische Ökonom Schumpeter wurde weltberühmt durch die Beschreibung des Prozesses der „schöpferischen Zerstörung“. Diese gehört untrennbar dazu, wenn etwas Neues entsteht. Was Schumpeter für die Wirtschaft beschrieb und dort oft im Verborgenen abläuft, erlebt die Öffentlichkeit jetzt im öffentlichen Sektor live mit.

Aber:
Was haben Sie eigentlich erwartet, wenn der Hauptdarsteller und Produzent der erfolgreichsten „Rausschmeiß-Show“ im US-Fernsehen Präsident wird? Die Show ist für ihn so wichtig, dass er trotz Präsidentschaft Produzent der Show bleibt. Sein Immobiliengeschäft hat er auf Zeit an seine Kinder übergeben. Das steht wohl nur an zweiter Stelle.

Mit den Begrifflichkeiten der Baustelle kann man auch sagen: Donald, die Abrissbirne. Seine besondere Fähigkeit besteht im Moment darin, Dinge in Frage zu stellen, die als unantastbar galten und Personen herauszufordern, die eigentlich dachten, ihre Pfründe wären schon im Trockenen.

Nehmen Sie nur das Beispiel NATO.
Dass die Europäer seit langer Zeit auf dem Trittbrett fahren, indem sie sich zwar beschützen lassen, die Rechnung dafür aber andere zahlen lassen, ist ja nicht neu. Geändert hat sich die Art des Hinweises. Die Kommunikation erinnert an einen Gerichtsvollzieher und hat nichts von den geschliffenen Umgangsformen der gerade in Europa so geschätzten Diplomatie. Trump tanzt aber auch nicht so lange um den heißen Brei herum wie viele andere Politiker – manche finden das erfrischend.

Zurzeit macht Trump einfach nur das, was jeder macht, dem seine Telefonkosten zu hoch sind. Erstmal alle Verträge kündigen und dann auf ein verbessertes Angebot warten. Besser als das Standardangebot im Laden ist das immer und bei Handelsabkommen ist das vielleicht auch nicht anders. „Das Gesetz der Straße“ würde man wohl in Hollywood sagen. „The art of the deal“ nennt Trump das in seinem Bestseller aus den 80ern. Auf Deutsch wohl eher: Holzhammermethode. Florett geht anders.

2.
Der starke Adolf
Das bockige Kind im Weißen Haus, das alle herumkommandiert und dauernd Bestätigung braucht, wie toll es ist, stößt irgendwann natürlich auch an seine Grenzen. Die werden von Personen aufgezeigt, die wir heute vielleicht noch gar nicht kennen. Einen Vorgeschmack gab vorgestern Steve Forbes – ja, der mit dem Magazin – der darauf hinwies, dass die Border Tax eine Schnapsidee sei, weil sie die amerikanischen Konsumenten tausende von Milliarden Dollar kosten würde. Und während ich diese Notiz schreibe, meldet Bloomberg, dass Trump offensichtlich schon Hinweise von seinem Außenminister bekommen hat und – im Unterschied zu seinen vorherigen Tweets – die One-China-Politik im Telefonat mit Xi als akzeptabel eingestuft hat.

Können Sie sich noch an den starken Adolf erinnern? Er wurde auf der Kirmes angepriesen als stärkster Mann der Welt. Und dann kam Pippi Langstrumpf. Den Rest kennen Sie. Die amerikanischen Western erzählen es so ähnlich. Je lauter ein Revolverschütze herumposaunt, wie gut und schnell er schießt, um so gefährlicher wird es für ihn. Am Ende reicht einer, der einmal schneller ist und das war’s – once upon a time in the Wild West.

Aber unterschätzen Sie Trump und Bannon nicht. Beide sind nicht nur in New York, sondern auch in Hollywood erfolgreich gewesen und das ist und bleibt das wahrscheinlich härteste Geschäft der Welt! Es lässt tief blicken, dass der Rechtsausleger Bannon heute das meiste Geld als Mitbegründer der eher linksliberalen TV-Serie Seinfeld verdient.

3.
Aufbauen
Dass der Abrissunternehmer auch das Haus baut, kommt sicher vor, der Standardfall ist es aber nicht. Deshalb kann es schnell vorbei sein mit der neuen Herrlichkeit. Entweder zähes Klein-Klein, High Noon oder Pragmatik. Stellen Sie sich nur vor, die Milliardäre erklären im Küchenkabinett, dass die Border Tax Unsinn ist und stellen Trump vor die Wahl, entweder die Steuer so unempfindlich zu machen, dass sie nicht schadet oder sie gleich ganz abzusagen. Würden Sie sich wundern, wenn Trump tweetet, er habe es sich anders überlegt? (Bei China ist es wohl gerade passiert.)

Die Erfolgswelle hält nicht ewig. Dass Konzernchefs sich jetzt fühlen wie bei der Oscarverleihung, wenn sie im Oval Office bekannt geben, was für neue Fabriken sie bauen, ist das eine. Andererseits kommt die Schwerkraft der harten Realität schneller, als Trump lieb sein wird.

Die Redakteure im amerikanischen Börsenfernsehen konnten sich diese Woche einige Anmerkungen nicht verkneifen. Der in dieser Woche beispielsweise vom Intel CEO angekündigte Neubau einer Fabrik für 7 Mrd. USD ist nicht neu. Die gleiche Fabrik hatte Intel Obama bei dessen Amtsantritt auch versprochen. Damals sollte die Fabrik 5 Mrd. USD kosten. Intel sei auch das Unternehmen im Silicon Valley gewesen, das im Wahlkampf den größten Abstand zu Trump hatte, wurde dann noch süffisant hinzugefügt. Wenn das mal kein Danaergeschenk ist – Trojanische Pferde gibt es ja immer wieder und den Odysseus haben in Kalifornien ziemlich viele genau studiert.

Es wird sich noch zeigen, aus welchem Holz Trump geschnitzt ist. Sicher ist er ein „wannabe dictator“, der von morgens bis abends überlegt, wie er die Gewaltenteilung aus den Angeln heben kann, weil das für seine Eitelkeit das Beste wäre. Was ist schon Geld, wenn man die meiste Macht hat. Ich setze da aber auf die Stabilität der Institutionen in den USA (Alexis de Tocqueville) und bete, dass ich mich nicht irre.

Viel wahrscheinlicher ist doch,
dass Trump pragmatisch wird. Am Ende hat er seine Hochhäuser, Hotels und Golfplätze gebaut. Businessfeindlich ist das grundsätzlich nicht. Ich rechne eher damit, dass er Dinge tut, die er immer gemacht hat: Deals machen, Schulden aufnehmen und versuchen, jede einzelne Verhandlung für sich zum Vorteil hin zu wenden. Vielleicht werden US-Staatsanleihen eher auf Junk herabgestuft als so mancher erwartet. Damit kennt sich Trump jedenfalls aus. So viele Schulden zu machen wie möglich ist ja bei zahlreichen Immobilienentwicklern fester Bestandteil des Geschäftsmodells. Eine gute Nachricht für den Dollar wäre das mittelfristig sicher nicht. Aber ein Grund, jetzt die Aktienquote signifikant zu reduzieren, ist es auch nicht.

Im Moment ist mein Eindruck,
dass alle Gespräche über Aktien sich darum drehen, dass diese zu teuer sind und man deshalb vorsichtig sein müsse (also nicht so viele davon hat). Das ist die Wall of Worry. Die klassische Situation, in der Aktien steigen. Besser wird’s nicht! Und nur weil Europa derzeit billiger ist, heißt das nicht, dass US-Aktien fallen. Aber wenn der Anstieg der Aktien in den USA weiter geht, kann es durchaus so sein wie seit einigen Monaten: dass europäische Aktien stärker steigen als solche aus Amerika.

Wenn die Vollkatastrophe in Europa ausbleibt und der Untergang der EU, des Euro und des gesamten Abendlandes doch noch abgesagt wird, dann sollten Sie übrigens europäische Aktien haben – und das nicht zu knapp. Es sieht danach aus, dass es vielleicht noch eine politisch bedingte Korrektur im Frühjahr in Europa geben könnte, aber bei der Sicht auf das Ende des Jahres 2017 spricht derzeit alles dafür, dass die Aktien gerade in Europa per Saldo steigen werden. Und das, weil es einfach erheblichen Nachholbedarf in Europa gibt. Das politische Getöse hat sicher seine Berechtigung, aber wir kaufen ja Aktien, weil Unternehmen keine Volkswirtschaften sind!

ETF-Käufer machen das bekanntlich anders, aber schauen Sie auf den Chart unten. Der zeigt, dass der Stock-Picking-Markt schon seit Längerem auf vollen Touren läuft und wir deshalb mit unserem Ansatz eine signifikante Outperformance gegenüber allen relevanten Indizes erzielen konnten. Der Chart ist übrigens nach Gebühren für das aktive Management bei uns und einschließlich der ETF-Gebühren. Die meisten Vergleiche erfolgen immer mit dem Index. Den kann man so aber nicht kaufen und es hat den Vorteil für die ETF-Anbieter, dass die ETF-Gebühren elegant unter den Tisch fallen.

Volkswirtschaftszertifikate (bisher ETF genannt) werden es in der Zukunft immer schwerer haben.

Die Entwicklung des Fonds im Januar verlief sehr erfreulich.
Portfolioanpassungen erfolgten bei Positionen, die wider Erwarten nicht an der allgemeinen Aufwärtsentwicklung teilgenommen haben. Novartis, Lafarge und Cembra Money Bank wurden deshalb vollständig verkauft. Seit Anfang Februar wurde begonnen, einige Unternehmen neu in das Portfolio aufzunehmen, um die per Ende Januar bis auf 18 % angestiegene Kasse neu zu investieren.

Ein neues Investment-Thema, mit dem wir uns derzeit beschäftigen, sind Unternehmen, die von der derzeit weltweit zu beobachtenden Zunahme protektionistischer Tendenzen nicht negativ betroffen sind und deshalb – im Unterschied zur Vergangenheit – Neubewertungspotenzial haben. Interessant sind bei dieser Suche einerseits lokale Geschäfte, andererseits flexible Unternehmen, die sich sehr schnell an Veränderungen der Rahmenbedingungen anpassen können. Da solche Unternehmen auch profitieren, wenn die Globalisierung unverändert weiter läuft, aber einen besseren Schutz bieten, wenn es temporär anders kommt, glauben wir, dass Stock Picking weiter Sinn macht und wir weiter gute Chancen haben, eine DAX-Performace mit halber Volatilität zu erreichen!

Border Adjustment Tax
– vielleicht ja schon bald Geschichte. Ignorieren können wir diese Idee von Donald Trump Stand heute leider nicht. Es werden bereits Listen herumgereicht, welche Unternehmen davon besonders negativ betroffen wären. Denken Sie an Hersteller von Luxustaschen oder -uhren, die außerhalb der USA gefertigt werden und deren Produktion nicht in die USA verlegt werden kann. Keine angenehmen Perspektiven, wenn diese Produkte durch die neue Steuer beim Verkauf innerhalb der USA einfach 20 oder 30 % teurer werden.

Anders sieht dies bei Unternehmen – zum Beispiel im Zuliefererbereich – aus, die über zahlreiche Fabriken verfügen und ihre Produktion sehr flexibel auch über Ländergrenzen hinweg anpassen können. Hier können durch die Border Adjustment Tax neue Wettbewerbsvorteile entstehen oder vorhandene ausgebaut werden. Außerdem spielt natürlich die Verhandlungsposition der Zulieferer eine große Rolle. Bei leicht ersetzbaren Teilen wird es für die Produzenten schwierig, die Kosten der Steuer weiterzugeben. Zulieferer mit starker Marktposition haben viel bessere Chancen, eine solche Situation zu ihrem Vorteil zu wenden. Das gilt natürlich auch für die Hersteller von Luxusprodukten. Eine ausgezeichnete Marktposition ist gerade in schwierigen Situationen besonders wertvoll, egal, was man herstellt und verkauft.

Im Übrigen teilen wir die Auffassung von Pascal Lamy. Der sagte am 5. Januar auf dem exzellenten Oddo Forum in Lyon:
„I do not believe – as many do – in a new process of deglobalization. The driver of globalization is technology, and therefore globalization goes on.“

AP Moeller Maersk
Der Weltmarktführer im Containerschifffahrts-Geschäft veröffentlichte diese Woche seine Zahlen für das vergangene Jahr. Enttäuschung machte sich breit. Unser Engagement befindet sich komfortabel im Gewinn, der Rückschlag nach den Zahlen ist bereits wieder aufgeholt.

Die Entwicklung dieser Woche erklärt sich für uns wie folgt:
Der Markt war enttäuscht, weil die Guidance nicht ausreichend darauf hingewiesen hat, dass es zu weiteren Abschreibungen im Ölgeschäft kommen könnte. Außerdem ist das Containergeschäft noch nicht in den schwarzen Zahlen. Zur Abschreibung ist anzumerken, dass es sich um Verluste aus Bewertungsanpassungen im Öl- und Gasgeschäft handelt. Ad eins soll das ohnehin verkauft werden und im Übrigen ist es so, dass sich der Bereich Nordseeöl derzeit schon wieder im Aufschwung befindet. Gerade in dieser Woche machte die israelische Delek Group ein Übernahmeangebot für die auch in der Nordsee tätige Ithaka. Kaufpreis 1,2 Mrd. USD. Uninteressante Geschäftsbereiche weisen derartige Takeover-Aktivitäten nicht auf. Maersk hat im Übrigen immer gesagt, dass Öl und Gas verkauft werden soll. Wann, wurde aber bewusst offen gelassen.
Zum Hintergrund ist noch zu sagen, dass Moeller Maersk nicht nur Weltmarktführer im Containerschiff-Geschäft ist. Das Unternehmen zählt zu den wichtigsten und auf lange Sicht erfolgreichsten Unternehmen Dänemarks. Nach dem Tod des Gründers treten jetzt übrigens die Erben wieder stärker in Erscheinung. Der ebenfalls in dieser Woche überraschend bekannt gegebene Rücktritt des Verwaltungsratschefs passt da ins Bild. Neuer Chairman wird der frühere SAP Chef Jim Hagemann Snabe. Da ist es nur konsequent, dass Moeller Maersk sich nicht scheut, mit Internetriesen wie Alibaba seit neuestem direkt zusammenzuarbeiten. Die Eigentümer sind an Deck, Profis am Werk und der Sektor bietet aufgrund des rasanten technologischen Wandels riesige Chancen.

Alle Welt redet von Fintech. Das findet in der weltweiten Transportindustrie auch gerade statt. Die EDV-Herausforderungen sind nahezu identisch mit denen von Banken und die Einsparpotenziale auch. Bei unserer Beteiligung an Hapag Lloyd, mit deren Aufbau wir bereits im Frühjahr letzten Jahres begonnen haben, spielte dieses Thema übrigens auch eine besonders große Rolle und die zwischenzeitige, äußerst erfreuliche Kursentwicklung dort zeigt, dass wir inzwischen nicht mehr die Einzigen sind, die das so sehen.


Georg Oehm

Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten. Mellinckrodt & Cie hat als Family Office seit 2008 zwei Aktien-Fonds in Luxemburg initiiert. Das hierbei gewonnene Know-how in den Bereichen Geschäftsentwicklung, Portfoliomanagement, Vertrieb und Kommunikation ist die Basis für den derzeit stattfindenden Aufbau weiterer Geschäftsaktivitäten rund um das Thema Kapitalanlage mit Bezug zur Schweiz.

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