On Fed Governors | Yellen und Fischer

Die volkswirtschaftliche Theorie der Spekulation analysiert das Verhalten der Akteure, beispielsweise am Devisenmarkt. Wenn Sie Kostolany gelesen haben, können Sie sich vielleicht daran erinnern, dass er eine Geschichte erzählt, als alle Welt gegen den Franc spekulierte – bis eine neue Regierung in Frankreich einen Politikwechsel einleitete und den Fall des Franc über Nacht beendete. Die Geschichte endet damit, das halb Wien und Budapest Pleite waren.

Währungen bewegen Menschen und Politik. Die noch kurze Geschichte des Euro zeigt, wie groß die Bedeutung der Währungsentwicklung für das Wohl und Wehe ganzer Völker ist. In diesem Zusammenhang aus dem Studium in Erinnerung geblieben ist mir die „Overshooting-Theorie“ von Rüdiger Dornbusch. Er hatte in seinen wissenschaftlichen Arbeiten festgestellt, dass die Preise auf den Devisenmärkte dazu neigen, zu überschießen. Kurz gesagt: in der Hausse steigen die Kurse zu hoch, in der Baisse fallen sie zu tief. Hierdurch wird, so seine Hypothese, die geringere Flexibilität vieler anderer Faktorpreise kompensiert. Das Modell beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Situationen, in denen eine Änderung der Geldpolitik erfolgt.

Was hat das mit der FED zu tun?

Mehr als Sie vielleicht glauben. Rüdiger Dornbusch veröffentlichte das Buch Economics. Generationen von VWL-Studenten mussten sich durch dieses Buch hindurcharbeiten und er veröffentlichte es zusammen mit einem Herrn Fischer. Stanley Fischer: heute stellvertretender Notenbankpräsident der USA und Stellvertreter von Frau Jellen. Sie ist übrigens auch nicht schlecht beraten. Ihr Ehemann ist George Akerlof. Er bekam für seinen Artikel „Market for lemons“ im Bereich der Informationsökonomie den Nobelpreis und veröffentlichte mit seinem Nobelpreiskollegen Robert Shiller das Buch „Animal Spirits“ über die Instinkte, die das Verhalten von Investoren an den Märkten beeinflussen.

Die FED verhandelt mit dem Markt – seit Wochen. Am Wochenende werden die Zeitungen voll davon sein und der nächste Donnerstag wird von der Presse à la „High Noon“ hochstilisiert.

Ich schaue schon seit Monaten vorzugsweise auf Stanley Fischer. Geboren im heutigen Zambia in Afrika mit umfangreicher internationaler Erfahrung und einem Track-record von zehn Jahren als Chef der Notenbank von Israel. Wie ich von Kollegen höre, die ihn persönlich getroffen haben: Humor hat er, asketisch ist er auch – und ein Top-Verhandler ist er mit Sicherheit, sonst hätte er keine zehn Jahre als Notenbankchef in Israel überstanden. Seine Nominierung war auch nicht ganz einfach. Es gab erhebliche Diskussionen, ob es aus Sicht der Amerikaner akzeptabel ist, dass er trotz Doppelstaatsangehörigkeit (USA und Israel) eine so wichtige Position in den USA bekleiden darf. Im Ergebnis bleibt festzuhalten: er hat alle Senatsanhörungen überstanden.

Was wird das Ziel des Verhandlers Fischer sein. Die FED ist in Krisen Lender of last Resort – in God we trust – aber geschrieben steht es auf dem Papiergeld (fiat money) der FED. Zinssenkungen zur Krisenbewältigung sind derzeit als Instrument ausgefallen. Aus Sicht eines Verhandlers eine fehlende Option, die entweder durch etwas anderes ersetzt oder durch geschickte Verhandlung zurückgewonnen werden muss.

Die Wirtschaft in den USA läuft halbwegs und erstmals seit Jahren besteht für die FED die Chance, die Rückkehr in ein normaleres Zinsumfeld zu beginnen. Die Versuchung für die FED, diesen Weg zu gehen, dürfte groß sein. Stanley Fischer wird alle seine Fähigkeiten in die Waagschale werfen. Achten Sie auf seine Worte – und auf das, was nicht gesagt wird. Es ist davon auszugehen, dass die FED den nächsten Donnerstag so minutiös plant, wie die NASA einen Mondflug.


Georg Oehm

Dr. Georg Oehm arbeitet seit seiner Banklehre Mitte der 80er Jahre in Frankfurt "rund um die Börse". Nicht nur die Diplomarbeit über den Kurssturz 1987 und seine Promotion über den Rohstoffhandel von Kupfer hatten mit der Börse zu tun. Auch Unternehmenskäufe, Verkäufe und die Begleitung von IPOs gehörten zu seinen Tätigkeiten. Mellinckrodt & Cie hat als Family Office seit 2008 zwei Aktien-Fonds in Luxemburg initiiert. Das hierbei gewonnene Know-how in den Bereichen Geschäftsentwicklung, Portfoliomanagement, Vertrieb und Kommunikation ist die Basis für den derzeit stattfindenden Aufbau weiterer Geschäftsaktivitäten rund um das Thema Kapitalanlage mit Bezug zur Schweiz.

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